Spaziergänge im Theresienthal

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Wieder einmal haben wir Krieg ...

Ja, haben wir, aber das stimmt so gar nicht.

Richtiger ist: Wieder einmal haben wir einen Krieg, der für uns sichtbar ist und spürbar werden wird. Wie viele andere Konflikte köcheln aber weltweit, ziehen wahrscheinlich insgesamt ein Vielfaches an Menschenlebensverlusten nach sich, direkt durch Gewalteinwirkung, indirekt durch Hunger und Krankheit. Wissen wir nicht. Suchen wir auch nicht. Wollen wir auch nicht wissen.

Aber dieser Krieg, dieser die Schlagzeilen beherrschende, der wird für uns spürbar werden. Das Rohöl wird teurer werden, no na, und damit wird alles teurer werden, auch klar. Das wird nicht in Österreich gemacht, weder von einer unfähigen noch von einer böswilligen Regierung. Auch nicht von irgendwelchen verschwörerischen Geheimbünden, auch wenn manche Anderes glauben. Aber selbstverständlich wird es auch bei uns Kriegsgewinnler und Kriegsverlierer geben. Am Besten würden wir diese Krise ja überstehen, wenn wir zusammenrücken, zusammenhelfen, solidarisch sind. Aber da treten viele dagegen an.



Zurück zum aktuellen Krieg:

Da gibt es viele Emotionen. Auch ich freue mich, wenn die (uns bekannten, aber es gibt sicher viiieeel mehr) Oberbösewichte eine auf den Deckel bekommen. In die Luft gesprengt zu werden, dauert mir eigentlich viel zu kurz. Ich erinnere mich an Hinrichtungen unter Verwendung eines Kranfahrzeuges in einem Fußballstadion. So etwas in dieser Art käme mir auch für die grauslichen Menschenfresser dort in den Sinn, und mein Kran hebt gaaaaanz langsam an. Millimeter pro Minute nur.

Tja, und dann frag ich mich, was ein 86-jähriger mit 72 Jungfrauen im Paradies wohl anstellen könnte. Ich bedaure, dass er sich wahrscheinlich nicht mehr ärgern wird darüber, der Ayatolla.

Da sind aber nur wilde erste Emotionen, so eine Welle von Rache- und Hassgefühlen, obwohl er mir persönlich ja gar nichts getan hat, der Ayatolla. Und darum sehe ich meinen Hang zu solchen Emotionen ein wenig distanziert. So richtig begeisterungsfähig - a la : "Gott will es!" - bin ich nicht.

Und wenn ich mir da den anderen Protagonisten ansehe, den Blonden auf der anderen Seite des Globus, da hab ich auch erhebliche Bedenken. Meine Bedenken beiden Seiten gegenüber gelten übrigens nicht nur den Führungsfiguren, sondern all denjenigen, die auf ihrer jeweiligen Seite eben - zumindest sinngemäß - denken und jubeln: "Gott will es!"

Eine schwierige Situation für Gott, und die Ruhigen, die, die nicht schreien, die bleiben überhaupt unGEhört.

Die Schreier, nicht nur die im Iran und in den USA, sondern alle, die sich jetzt weltweit aufblasen und ihre ungefragten Gedankenflatulenzen fahren lassen, sind hingegen unERhört, das ist aber ganz was anderes.

Ich streite gerne

Wenn ich zuvor vom Krieg gesprochen habe, dann hört sich das so geregelt an, zum Beispiel durch das Völkerrecht.

Wenn ich versuche, ein solches Völkerrecht auf amerikanische Interventionen der (letzten) Jahre anzuwenden, dann kann ich nur gequält zu lachen versuchen. Das gilt mindestens ebenso für Russlands Benehmen, das gilt auch für alle anderen Konflikte, wenn ich mich nicht irre (copyright Sam Hawkings). Ich bin nicht so gut in Geschichte, aber in meiner Erinnerung war der Falklandkrieg der letzte angesagte Konflikt, wahrscheinlich auch nur deswegen, weil die Anreisezeit der Briten doch erheblich war.

Ab wann man dann vom "Krieg" sprechen kann/soll? Auseinandersetzungen - auch grausamste - gibt es bis in kleinste Konstellationen. Denken sie einmal an eine krachende Scheidung (ich hab das selber hinter mir. Gekracht hat es nicht, aber traurig war es doch, aus meiner Sicht).

Dabei streite ich gerne, liebend gerne!

Ich habe jetzt - aus aktuellem Anlass - einmal nachgedacht, warum das so ist, und da gibt es mehrere Gründe.

Da gibt es einerseits den kleinen Teufel in mir, der sein Gegenüber gern reizt und damit an der Nase herumführt. Der wacht aber immer erst auf, wenn der andere Streithansel willig seine Deckungen fallen lässt. Ja dann .... Was soll ich denn machen?

Ich will das jetzt gar nicht näher ausführen, möchte mir aber schon zugute halten, dass ich das - und meinen Antagonisten - nie vor Publikum vorführen würde oder dass ich das je gemacht hätte (ich hoffe, ich erinnere mich da richtig). Und außerdem passiert es seltener und seltener.

Zum Zweiten freue ich mich bei jedem beginnenden Disput darauf, dazulernen zu können, andere Standpunkte kennenlernen zu können, mein Weltbild verbreitern zu können.

Das läuft in der Praxis aber sehr unterschiedlich ab:

Mit Menschen, die es so ähnlich sehen wie ich, entwickelt sich eine sachliche Diskussion, in der man dann meistens auch gemeinsam vertretbare Standpunkte oder Kompromisse findet. Man ist einander keinesfalls böse.

Mit Menschen, die es nicht so sehen, die Standpunkte für persönliche Wesensmerkmale wie zum Beispiel die Haarfarbe halten, Sturheit mit geheimen Wissen und Charakterstärke verwechseln, läuft es dann nicht so gut. Ein solches beginnendes Schleudern in der Spur fühle ich rasch und versuche normalerweise umgehend, das Thema zu wechseln, die wachsende Spannung zu beseitigen und aus der beginnenden Konfrontation zu kommen. Leider gelingt das seltener und seltener, weil ein neuer Stil Platz gewonnen hat: Statt auf Argumente einzugehen, wird man beschimpft. Nicht die Meinung wird angegriffen, sondern die Integrität der Person.

Das macht mir zwar nichts aus, aber mein Optimismus bezüglich der Entwicklung der Menschheit wackelt dann jedes Mal.

Obwohl ich weiß, dass es nur eine Minderheit ist, die da so lauthals schreit. Aber wenn die vernünftige Mehrheit schweigt, wird sie niedergewalzt werden. Das hatten wir schon. Und einige Mehr-oder-weniger-oder Möchtegern-Diktatoren halten die Empörungwelle, auf der sie reiten oder reiten möchten, am schäumen.

Und die asozialen Medien unterstützen das Ganze für Werbeklicks.

Man sollte ja einmal einen "Tag des positiven Postens" ausrufen, um zu sehen, ob es denn noch was anderes gibt.




Ich überlege außerdem gerade, ob ich in meinem Alter noch einen Selbstverteidigungskurs (oder eine Kampfausbildung, Copyright Pete Hegseth) machen sollte.

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